Quelle: Dingolfinger Anzeiger vom Mittwoch, 23. Februar 2000
"Da sehe ich schwarz"
Wenn uns der Erfolg eines Unternehmens fraglich erscheint, wenn wir jemanden für eine
bestimmte Aufgabe als nicht geeignet erachten oder auch die Dauerhaftigkeit einer
Verbindung zweier Menschen bezweifeln, dann sagen wir häufig: "Da sehe ich
schwarz!"
Damit ist immer Mißtrauen und Skepsis bezüglich des Gelingens ausgedrückt. Und was
bietet sich als Farbe dafür eher an als jene, die uns von altersher als böse und
schlechte im Hinterkopf ist - der Gegensatz vom reinen, strahlenden Weiß, eben Schwarz.
Sie gilt in unserem Kulturkreis als Farbe der Trauer, früher war sie auch die des Alters;
von diesem Odium hat sie nicht zuletzt die Modeindustrie durch ihre von allen Lebensaltern
tragbaren Kreationen befreit....
Gehen wir einmal den Redewendungen nach, die sich um diese Farbe entwickelt haben, dann
kommt uns die Formulierung: "Da kannst du warten, bis du schwarz wirst" in den
Sinn - das bedeutete also, bis man tot und vermodert war. In der Gaunersprache heißt
Sterben auch "verschwarzen". Beim Kartenspiel wird "schwarz", wer
keinen Stich machen kann. Und "schwarz sein" hieß einstmals bei den Jenaer
Studenten jemand, der kein Geld hatte. Manch einer kam früher ins "schwarze
Register", wo die Strafen eingetragen wurden; vermutlich rührt dies daher, daß
einstmals diese Folianten schwarz eingebunden waren.
Wenn man jemandem übel will, so wird man ihn womöglich irgendwo oder bei irgendwem
"anschwärzen", also praktisch seine - nach unserer Meinung -
"schwarze", also schlechte Seite offenkundig machen. Es gibt Schwarzseher und
Schwarzmaler, denen man lieber nicht zuhören sollte. Man findet aber auch Leute, die in
einer Diskussion "ins Schwarze treffen", also auf den Punkt bringen, was Sache
ist. So hat die Farbe der Nacht, die seit Urzeiten uns Menschen verängstigte, in vielen
täglichen "endungen Eingang gefunden....
W. Hermuth