Quelle: Dingolfinger Anzeiger vom Mittwoch, 4. April 2001

"... aus dem gleichen Holz"

Holz ist seit Jahrtausenden für die Menschen ein wichtiger Rohstoff - zum Feuer machen, zum Bauen von Häusern und Schiffen, und seit langem auch für die Papierindustrie. Anders als Lehm, Ziegel oder Beton hat man eine besondere Beziehung zu ihm, weil man es als etwas Lebendiges begreift, das atmen kann. Und wer fühlt sich schließlich in einer Behausung wohl, in der es nur Kunststoff- oder Metallmöbel gibt? Warum Holz in den letzten Jahrhunderten so sehr in unser Bewusstsein gerückt ist, hängt natürlich damit zusammen, dass mit ihm - und dies nicht nur in den Regenwäldern Südamerikas und Südostasiens - unverantwortlicher Raubbau getrieben wird, an dem die Abnehmerländer in den Industriestaaten die größte Schuld tragen.
Auch die Redensart hat sich seit alter Zeit dieser Materie angenommen. Man belächelt eine Person, die sich hölzern benimmt, also ungeschickt und steif wie ein Klotz, die auch da sitzt wie ein Stück Holz. Und wer sich auffällig und grob benimmt, den bezeichnet man als einen ungehobelten Menschen. Wenn jemand Holz in den Wald trägt, so bedeutet das so viel wie Eulen nach Athen tragen, also etwas völlig überflüssiges tun. Anerkennend dagegen wirkt die Formulierung, dass beispielsweise ein Sohn aus dem gleichen Holz geschnitzt sei wie sein Vater, also die gleichen Eigenschaften wie dieser aufweise. Standhaftigkeit, Verlässlichkeit und andere positive Eigenschaften werden meist damit verbunden. Selten gebraucht wird dagegen die Wendung, dass jemand Holz auf sich hacken ließe, also sich alles gefallen lasse, weil er so gutmütig sei; sie ist schon recht alt und wird bereits von Martin Luther in seiner Sprichwörtersammlung angeführt. Holz bei der Wand, vor dem Haus, bei der Herberge oder vor der Hütte freilich deuten auf eine ganz andere Beschaffenheit hin. Diese Anspielung auf an der Außenwand eines Hauses aufgestapelte Vorräte beziehen sich gewissermaßen auf den "Vorbau" einer Frau, nämlich deren ausladenden Busen.

Margit Horn


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