Quelle: Dingolfinger Anzeiger vom Montag, 9. April 2001
"Ewig enttäuscht!"
Es gibt Menschen, die nie recht froh werden - auch ohne schmerzhafte Schicksalsschläge - an jedem Tag ein wenig traurig und vom Leben enttäuscht sind. Heute fühlen sie sich vom Glück übergangen, und oft blicken sie auch neidisch auf jene Mitmenschen, denen alles zu gelingen scheint, und die mit sich selbst und der Welt zufrieden sind. Echte Zufriedenheit aber kennen die Unfrohen nicht. Leider suchen sie die Gründe für ihre Unzufriedenheit selten bei sich selbst, sondern häufiger "draußen" bei Menschen und Ereignissen. Sie leben nicht in der Realität, sondern beständig in Illusionen. Ihr Erwartungshorizont ist immer viel zu weit gespannt, sie hoffen beständig dass etwas geschieht, was ihr Dasein positiv grundlegend verändert: "Morgen ist alles besser!" Da dies aber nur höchst selten zutrifft, bleibt das beglückende Erfolgserlebnis aus, und jeder Misserfolg enttäuscht und macht unzufrieden. Wer aber immer wieder das Ziel verfehlt, verliert die Lust am Leben. Ein altes Sprichwort meint: "Hoffen und Harren macht manchen zum Narren!" Hinzu kommt noch, dass die meisten Ewig-Enttäuschten zur Passivität neigen und beständig darauf hoffen, dass Fortuna ihnen das große Glück in den Schoß legt... Wer einem solchen Menschen helfen will, muss ihn dazu bewegen, seinen Erwartungshorizont enger zu spannen und von sich aus aktiv zu werden. Die Amerikaner raten: "Wer Kaninchen fangen will, muss auf´s Feld gehen!"
Carlheinz Walter